Im Fordergrund Lernen richtete sich an bildungsbenachteiligte Frauen und Männer – gleichermaßen an Migrantinnen und Migranten, Österreicherinnen und Österreicher

  • mit mangelnden Fähigkeiten in Lesen, Schreiben oder Rechnen,
  • die maximal die Pflichtschule abgeschlossen hatten,
  • die sich neuen Lernanforderungen nicht gewachsen fühlten,
  • mit einem negativen Selbstbild als Lernende,
  • die beruflich dequalifiziert wurden und bildungsmäßig resigniert hatten oder
  • die die Sprache nur auf Alltagsniveau beherrschten und dadurch faktisch von Lernangeboten ausgeschlossen waren.

Nicht ohne Grund schrieben wir Fordergrund mit F. Das F stand für Fordern im Hinblick auf Selbstbestimmtheit und politische Partizipation als ein wesentliches Ziel. Der Schwerpunkt bei der Entwicklung des Lehrinhaltes und Lernprozesses beziehungsweise in der Erarbeitung der Lehr- und Lerninhalte lag in der Mitgestaltung aller am Bildungsprozess Beteiligten und folgte unseren Leitideen: Vertrauen schaffen und Begleitung anbieten, individuell fördern, Überforderung vermeiden, Lernziele gemeinsam erarbeiten, TEILnehmerInnenorientierung statt Zielgruppenorientierung. Trainerinnen, Trainer und TEILnehmerinnen, TEILnehmer lernen miteinander.

Im Februar 2012 begannen die ProjektpartnerInnen –  ISOP, nowa, ZEBRA und ZSI - mit der Grundkonzeption des Entwicklungsprojektes. Im Oktober 2012 fanden die ersten Informationsveranstaltungen statt, es folgten ab November die ersten Basisgruppen und im Jänner 2013 starteten die Lerngruppen. Die TEILnehmerinnen und TEILnehmer wurden während des gesamten Prozesses sozialpädagogisch begleitet.

Inhaltlich orientierte sich Im Fordergrund lernen an den Schlüsselkompetenzen des lebenslangen Lernens im europäischen Referenzrahmen: muttersprachliche Kompetenz, fremdsprachliche Kompetenz, mathematische und grundlegende naturwissenschaftlich-technische Kompetenz, Computerkompetenz, Lernkompetenz, soziale und BürgerInnenkompetenz, Eigeninitiative und unternehmerische Kompetenz sowie Kulturbewusstsein und kulturelle Ausdrucksfähigkeit. Im Fordergrund standen also Lesen, Schreiben, Rechnen, Computer, Stärken und Mitreden, um noch mehr verstehen, hinterfragen, entscheiden und mitgestalten zu können.

Die Erfahrungen mit der Entwicklung und Umsetzung dieses Lernangebotes wurden ab Jänner 2014 im Zuge des modularen Fordergrund-Lehrgangs Diversitykompetenz in der Erwachsenenbildung mit Fokus auf bildungsbenachteiligte Menschen an Erwachsenenbildner und -bildnerinnen sowie an andere Multiplikatoren und Multiplikatorinnen weiter gegeben. Der Lehrgang war modular aufgebaut – wobei das Modul 1 verpflichtend zu besuchen waren und die Module 2 und 3 je nach Interesse der TEILnehmenden wählbar waren. Folgende Inhalte wurden in den verschiedenen Modulen behandelt:

  • Modul 1: Kennenlernen & Begriffsdefinitionen
    Was bringt es, der Mehrheit anzugehören? Was fehlt, wenn man Teil einer Minderheit sind? – Erarbeitung von Begriffen wie Diversität, Lernen, Bildung und Bildungsbe(nach)teiligung
  • Modul 2: Bedingungen für Bildungsbe(nach)teiligung und Bildungsbe(nach)teiligung und Lernen
    Was sind Bedingungen für Bildungsbe(nach)teiligung? – Erarbeitung ausschlaggebende Faktoren für die Beteiligung an Bildungsangeboten, Auseinandersetzung mit der eigenen Institution und beruflichen Praxis.
    Welche Kompetenzen bringen die Teilnehmenden mit? Wie kann Lernkompetenz individuell gefördert werden? – Erarbeitung von Strategien, um Lernkompetenzen zu erkennen, zu fördern und somit die Festigung von Lerninhalten sicherzustellen.
  • Modul 3: Methoden aus der Fordergrund-Praxis und Kommunikation & Sprache
    Wie können Inhalte interessant und abwechslungsreich gestaltet werden? – Kennenlernen von Methoden aus der Fordergrund-Praxis, die ein teilnehmendenzentriertes Arbeiten ermöglichen.
    Wie kann man sich verständlich machen? – Begegnung mit der Diversität in Kommunikation und Sprache und Erarbeitung eines teilnehmendenorientierten Sprachgebrauchs

Gefördert wurde das Projekt Fordergrund aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Frauen und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.