Sozialpädagogische Begleitung unterstützt die Teilnehmenden bei persönlichen und kursbezogenen Fragen und Problemen. Der Ansatz ist ressourcen- und teilnehmendenorientiert, um die optimale Förderung der Kursteilnehmenden zu erreichen. Ziel ist die Aktivierung der eigenen Ressourcen mit Selbstermächtigung und Selbstrepräsentation. Sozialpädagogische Begleitung unterstützt die Teilnehmenden individuell nach den Prinzipien der aktivierenden Hilfe zur Selbsthilfe und zielt auf die Entwicklung bzw. die Erweiterung der Handlungskompetenz der Teilnehmenden.

Obwohl dieses Projekt gleichermaßen sowohl auf Österreicherinnen und Österreiche als auch auf Migrantinnen und Migranten ausgerichtet war, war die Nachfrage und der Bedarf bzgl. der sozialpädagogischen Begleitung seitens der Migrantinnen und Migranten deutlich größer, und ist immer noch gegeben. Um die Nachhaltigkeit des Erfolges sicher zu verankern, wäre es also sinnvoll, die sozialpädagogischen Maßnahmen in Form einer Nachbetreuung fortzusetzen.

Vorfeldarbeit – Unterstützung beim Zugang zum Bildungsangebot und Abbau von Barrieren

Im Rahmen der Infotage wurde das Konzept der sozialpädagogischen Begleitung den potenziellen Teilnehmenden vorgestellt. Mit dem Angebot der sozialpädagogischen Begleitung fiel die Entscheidung für die Teilnahme leichter bzw. konnten Zweifel oder Ängste in einem Beratungsgespräch bearbeitet werden.

Begleitende Unterstützung und Coaching

Die anfängliche Zurückhaltung in Bezug auf die Inanspruchnahme des sozialpädagogischen Angebotes hat sich rasch gelegt, Unsicherheiten aufgrund von kulturellen Unterschieden und Mentalitätsunterschieden konnten geklärt werden.
Ein wesentlicher Aspekt der sozialpädagogischen Beratung in “Im Fordergrund lernen” war die Stärkung des Selbstvertrauens und die Hilfestellung bei Schwierigkeiten, die das Lebensumfeld der Teilnehmenden beeinflussen. Die ganzheitliche sozialpädagogische Begleitung umfasste unterschiedliche Lebensbereiche der Teilnehmenden und zielte darauf ab, dass diese unterschiedliche Krisen- und Konfliktsituationen selbstständig lösen lernen.

Muttersprachliche Beratung

Bei der muttersprachlichen Beratung ging es nicht vorrangig um die Sprache als Kommunikationsmittel, sondern sie zielte darauf ab, Verständnis für die sozialen und kulturellen Gegebenheiten zu schaffen und dieses in die Beratung einfließen zu lassen und zu berücksichtigen.

Schnittstellenarbeit

Der sozialpädagogischen Begleitung kam auch die Rolle der Schnittstellenbetreuung zu, sowohl innerhalb des Projekts als auch nach außen zu Behörden, Bildungsinstituten u.ä. sowie zu kooperierenden Organisationen.

Einzelberatung

Problemlagen haben meist einen individuellen Charakter und bedürfen für ihre Lösung des Schutzes der Privatsphäre. Einzelberatung war in solchen Fällen eine gut anwendbare Methode.

Soziale Aspekte
  • Hilfestellung bei der Wohnungssuche
  • Unterstützung im Bereich Schule: Ermäßigungen für Nachmittagsbetreuung der Schule wurden eingeholt, Anmeldungen in Schulen bzw. Informationen über verschiedene Schulen wurden zur Verfügung gestellt
  • Probleme im familiären Umfeld: Erziehung, Familienprobleme, Lernschwächen der Kinder, …
  • Umfeld: Aufgrund der sehr beengten Wohnsituation – spezifisch für AsylwerberInnen – war das Lernen zu Hause nicht möglich. Mitbewohner wurden als störend empfunden, die die Konzentration zum Lernen erschwerten. Nach einer Einheit mit Konfliktlösungsmöglichkeiten und –strategien konnte das Problem selbständig gelöst werden.
  • Kostenlose Freizeitgestaltung für Jugendliche und Frauen: Gemeinsam mit der sozialpädagogischen Begleitung wurde umfangreiche Recherche betrieben, um die Teilnehmenden über ihre Möglichkeiten in Kenntnis zu setzen und Unterstützung bei der Nutzung dieser Aktivitäten zu geben. Mit einem Sportverein konnte ein Übereinkommen getroffen werden, dass die Einrichtung kostenlos genutzt werden konnte.
  • Finanzielle Probleme: Asylwerberinnen und -werber, die zum Zeitpunkt des Kurses nicht in Graz wohnten, konnten sich aufgrund der geringen finanziellen Möglichkeiten die Fahrkarten nicht leisten. Eine Sondergenehmigung konnte beim Projektauftraggeber eingeholt werden, welche den Teilnehmenden für die Dauer des Kurses die Fahrkarten gänzlich erstattete.
Psychische und rechtliche Aspekte
  • Asylverfahren: Ein Teil der Teilnehmenden, die sich im Asylverfahren befanden, litten unter Posttraumatischen Belastungsstörungen. Daher war es wichtig, die Betroffenen ausführlich zu beraten und die Abläufe genau zu erläutern, um durch Information Orientierung zu geben und damit die Unruhe zu vermindern. Teilnehmende, deren Posttraumatische Belastungsstörungen die geregelten Tagesabläufe beeinflussten oder gar hinderten, wurden zum Abklärungsgespräch in das Psychotherapiezentrum bei ZEBRA verwiesen.
  • Arbeitsmarkt: Arbeitsmöglichkeiten für Asylwerberinnen und -werber
  • Dokumente und behördlicher Schreiben: Unter anderem bestand auch oft der Bedarf der Erklärung/ Aufklärung der Dokumente und behördlicher Schreiben, wie zB schriftliche Beschlüsse, Antragstellungen und Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen …
  • Diverse: Voraussetzungen für Aufenthaltsverlängerungen, Schuldenfragen, Fragen frauenrechtlicher Natur, Terminvereinbarungen bei Behörden …
Bildung

In diesem Aufgabenbereich wurden TeilnehmerInnen beim Anmeldeprozess für Deutschkurse begleitend unterstützt. Auch Fragen zu den Möglichkeiten der Abendschule und dessen Anmeldung wurden behandelt. Da viele junge Teilnehmende aus bildungsbenachteiligten Ländern stammen, aber deutlich Bildungsinteresse besaßen, wurden sie über Vormodule und externe Hauptschulen beraten und über die entsprechenden Abläufe und Aufnahmeverfahren aufgeklärt. Im Zuge dessen wurden einige Teilnehmende, je nach individuellen Schwächen oder Bedürfnissen, zu verschiedenen Lerngruppen, wie z.B. Englisch, Mathematik, Deutsch, etc., vermittelt.

Zusätzlich zu den Beratungen wurden auch Lernmethoden und Lern-Webseiten, um Gelerntes besser zu merken, näher gebracht.

Bewerbungstraining und Arbeitssuche

Aufgrund der Bildungssituation der Teilnehmenden war es angezeigt, die Bewerbungsfähigkeiten zu stärken. Daher wurden Trainings angeboten, die Motivations- und Persönlichkeitsaufbau, Sprechübungen, Selbstpräsentation, Telefontraining, Rollenspiele, das Finden und das richtige Interpretieren der Stellenanzeigen zum Inhalt hatten. Folgend auf das Bewerbungstraining haben einige der Teilnehmenden, entweder selbstständig oder mit Hilfe, tatsächlich eine Anstellung gefunden.

Beratung vor Kursbeginn

Einzelberatungen waren das häufigste Setting, um die Teilnehmenden vor Kursbeginn mit Informationen zu versorgen, die individuellen Lernwünsche der Teilnehmenden zu erheben, um diese dann anschließend an die Kursleitungen weiterzuleiten. Nichtsdestotrotz waren auch Teilnehmende dabei, die noch vor Kursbeginn in Beratung waren und schon vorab die Einstiegsunterstützung für bestimmte Basisgruppen erhielten. Darüber hinaus wurden je nach Bedarf auch Begleittermine zu Ämtern und Behörden angeboten, da viele Teilnehmende mit Migrationshintergrund sprachliche oder auch soziale Schwierigkeiten und Hemmungen hatten, diese Behördenwege selbstständig zu erledigen.

Gruppenberatung

Im Rahmen der sozialpädagogischen Beratung wurden unter anderem Gruppenberatungen zu unterschiedlichen Themen angeboten, wie zB die Handhabung von Kalendern und damit im Zusammenhang die Wahrnehmung von Terminen, pünktliches Erscheinen …

Des Weiteren fanden Exkursionen zum Rathaus, in Museen und auch Stadtführungen statt, um den Teilnehmenden die österreichische Kultur näher zu bringen. Besuche bei der Bibliothek der Arbeiterkammer fanden regelmäßig statt. Hier konnten die Teilnehmenden lernen, Bücher, Hörbücher und DVDs auszuleihen, um ihre Bildungstätigkeiten auch nach der Teilnahme am Projekt selbständig weiterführen zu können.