Was ich schreibe, kann ich lesen und verstehen. Was ich schreibe, kann ein anderer lesen und verstehen. Was ein anderer schreibt, kann ich lesen und verstehen.

Von dieser Selbstverständlichkeit gehen wir alle aus. Doch ergaben in den letzten 15 Jahren viele Studien und Erfahrungen, dass diese Annahme nicht mehr gilt oder nie gegolten hat.

Nicht lesen und schreiben zu können, trifft viele.

Für Österreicherinnen und Österreicher ist es ein Makel, den sie verstecken und gekonnt verschleiern, denn “wenn ich nicht schreiben kann, dann bin ich nichts wert”. Nur wenige finden den Mut, sich dahingehend zu outen und Bildungsmaßnahmen aufzusuchen.

Migrantinnen und Migranten erfahren diese fehlende Schreibkompetenz nicht unbedingt als Selbstwertminderung. Sie wollen schreiben und lesen lernen, denn sie konnten oder durften das aus verschiedenen Gründen bis jetzt nicht.

Aus beiden Personenkreisen nahmen Menschen an unseren Kursen teil – den größeren Teil bildeten Migrantinnen und Migranten.

Alle unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer kannten das lateinische Alphabet und waren der grundsätzlichen Technik des Schreibens kundig. Es zeigten sich Legasthenie, Merkdefizite, umgeschulte Linkshändigkeit und deren Auswirkungen sowie Lernschwierigkeiten unterschiedlichster Art, freies Schreiben war durch mangelnde Deutsch- und Lautkenntnisse und deren richtige Graphologie eingeschränkt.

Aufbauend auf den individuellen Kompetenzen wurde jede einzelne Teilnehmerin und jeder einzelne Teilnehmer gefördert. Erschwerend bei Menschen, die eine höhere Sprachkompetenz hatten, war, dass sie ganz schnell besser schreiben wollten und sich mit den dafür notwendigen Vorarbeiten nicht gerne abgaben.

Die Ziele waren richtige Buchstabenschreibung, die Verbesserung der individuellen Rechtschreibung, Wortschatzerweiterung, Wort- und Satzstellungsübungen und die Ermutigung selbst Texte zu verfassen. Dabei ging es um Briefe, Lebensläufe, biografische Texte, E-Mails, Formulare, klassisch geschriebene Nachrichten, digitale Nachrichten (SMS), Antwortbriefe, Beschwerden und andere Inhalte aus dem unmittelbaren Umfeld der Teilnehmenden.